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Künstler mit Säge und Feile

csm_mame_Holzschnitzen_055_klein_98db038d47 29 August 2017

Was macht eigentlich ein... Holzbildhauer? 

Holzbildhauer schaffen Skulpturen, Ornamente und Reliefs aus naturbelassenem Holz; sie müssen handwerklich geschickt und kreativ sein. Freie Stellen aber sind rar.

Für Laien ist ein Baumstamm nur ein großes Stück Holz. Holzbildhauer aber sehen in jedem Stück Holz ein Kunstwerk – und ein ganzer Stamm birgt für sie besonders viele Möglichkeiten. Damit ihr imaginäres Kunstwerk Wirklichkeit wird, müssen sie viel Kreativität, Geduld und handwerkliches Geschick in ihre Arbeit stecken. 

Zunächst schätzen sie ab, welche Dimensionen ein Stück haben soll, etwa eine Holzskulptur für den Wohnbereich. Dann wählen sie – je nach Art des Kunstwerks und späterem Standort– ein geeignetes Stück Holz: Esche, Linde oder Eiche; mitunter nutzen Holzbildhauer auch Obsthölzer. Eichenholz eignet sich aufgrund seiner Härte sehr gut für den Außenbereich.
 
Im nächsten Schritt begutachtet der Holzbildhauer oder die Holzbildhauerin das gewählte Holzstück genau. Wie sieht das Holzbild aus? Hat das Stück Risse oder Astlöcher? Erste Skizzen der Skulptur werden angefertigt. Hier müssen Kundenwünsche berücksichtigt werden. Welche Mimik, welchen Gesichtsausdruck soll beispielsweise eine Figur haben? Welche Details sollen besonders herausgearbeitet werden? Anhand der Skizzen wird ein maßstabsgetreues kleines Modell aus Ton oder Gips erstellt, das hilft, Form und Proportionen der Skulptur dreidimensional erkennbar zu machen. 
 
Zunächst kommen grobe Werkzeuge wie Motor- und Handsägen sowie unterschiedliche Hämmer und Beitel zum Einsatz. Nach und nach werden Gesichtszüge, Falten oder auch Reliefs herausgearbeitet. Dafür nutzt der Holzbildhauer feinere Schnitzmesser, Hobel, Beitel oder Feilen. Je detailreicher die Figur, desto schwieriger die Arbeit. Nach Kundenwunsch werden die abschließenden Details mehr oder weniger exakt aus dem Holz herausgearbeitet, die Oberfläche wird geschliffen und abschließend gewachst, gebeizt, lasiert oder auch lackiert. Nicht selten restaurieren Holzbildhauer auch ältere Stücke. 

Für die Arbeit braucht man Körperkraft und handwerkliches Geschick, daneben ein ausgeprägtes Interesse an Kunstgeschichte, viel Kreativität, zeichnerisches Talent, Geduld sowie ein gutes Auge für Formen und Proportionen. Den Beruf kann man in einer dualen dreijährigen und staatlich anerkannten Ausbildung erlernen, sei es in einer Werkstatt, einem Atelier oder in einem auf Holzschnitzereien spezialisierten Unternehmen, etwa in der Möbelindustrie. Die Ausbildung wird vergütet und findet im Ausbildungsbetrieb sowie in der Berufsschule statt. Auch wenn kein bestimmter Schulabschluss als Voraussetzung vorgeschrieben ist, so erwartet der Arbeitgeber doch oftmals mindestens einen guten Hauptschulabschluss.

Viele arbeiten als Selbstständige

Duale Ausbildungsplätze sind allerdings rar, da nur wenige Betriebe in diesem Beruf ausbilden. Bessere Chancen bieten sich Bewerbern, die sich für eine Ausbildung an einer Berufsfachschule für Holzbildhauerei entscheiden. Dort verdienen sie kein Geld – manchmal kostet der Schulbesuch sogar. Manche Schulen lassen ihre Bewerber auch einen Aufnahmetest absolvieren, oder sie verlangen die Vorlage einer Mappe mit eigenen Zeichnungen und Fotos von selbst angefertigten Arbeiten. 
Inhaltlich gleichen sich die beiden Ausbildungswege. Neben der praktischen Arbeit am Werkstoff Holz stehen Inhalte wie etwa Kunstgeschichte, zeichnen, schnitzen und modellieren mit Gips oder Ton auf dem Lehrplan. Für fertige Holzbildhauer und Holzbildhauerinnen gibt es nur wenige freie Stellen. Viele machen sich deshalb selbstständig. Das ist allerdings eine Herausforderung. Mitunter dauert es Jahre, bis sich der Künstler einen Namen gemacht hat. Weitere Schattenseiten des Berufs sind Lärm, Schmutz, die körperlich fordernde und mitunter gefährliche Arbeit mit spitzen und scharfen Werkzeugen. Dem gegenüber steht eine kreative und inspirierende Arbeit, die aus groben, unbehauenen Holzklötzen einzigartige Kunstobjekte schafft.   
  • Gehalt: in der Ausbildung zwischen 400 und 750 Euro monatlich; das Einstiegsgehalt für Angestellte liegt zwischen 1.700 und 2.200 Euro brutto im Monat.
  • Arbeitszeit: im Angestelltenverhältnis etwa 40 Stunden in der Woche
  • Ausbildung: dreijährige duale Ausbildung oder alternativ Ausbildung an einer Berufsfachschule
 
Zeit Artikel von Markus Schleufe


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